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Gedichte & Kommentare
...es darf auch Spiel und Unfug sein....
von
Leonhard
Johann Campen
www.aagum.de
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Stell dir mal vor, du findest an der Wand eine Türklinke, aber es ist
keine Tür, die Du damit öffnet kannst, nein, nichts ist dahinter,
nur eine echte Türklinke ohne jede Funktion. Oder etwas noch
Schlimmeres: du gehst zur Toilette, da ist auch die erwartete
Sitzgelegenheit, aber das ist nur ein Deckel, der sich nicht anheben
lässt. Wie fühlst Du dich dann. Nun ganz so schlimm erging es mir zwar
nicht, als ich mein Hemd zuknöpfen wollte und eine ärgerliche Entdeckung
machen musste:
Datei: 89OLOCH.GDT
K E I N L O C H I M
K R A G E N
Alles lässt sich offen sagen,
doch nicht jeder kann's vertragen,
ist er nicht drauf eingestimmt.
Mancher kann nicht.
Mancher darf nicht.
Mancher soll nicht.
Mancher will nicht.
Mancher hat kein Loch im Kragen,
was ihm alle Zukunft nimmt.
Das ist Hohn! Ich sag es doch:
Rechts ein Knopf und links kein Loch!
Nein, ich will's nicht offen sagen,
wie mich ärgert dieser Kragen,
was mir Lust und Laune nimmt!
Heinsberg, den 7. Oktober 1989
18:05 Uhr Leonhard Johann Campen
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Abendstimmung war schon immer ein ganz
besonderer Zauber für mich, wenn sich alles zur Ruhe begibt. Doch jetzt
im Februar warte ich auf den Frühling, der sich durch die Stellung der
Sonne bereits bemerkbar macht: Nur ein Zimmer im Haus ist es, das zu
dieser Jahreszeit wieder direkte Sonnenstrahlen kurz vor Sonnenuntergang
einfängt und den Raum mit rotem Schein verzaubert. Da sitze ich heute am
Fenster und lasse meine Blicke durch kahle Bäume auf der entfernten
blutroten Skyline ruhen, meditierend bis es dunkel ist und die Sichel
des Mondes die Spitzen des Fichtenwäldchens umweit meines Hauses
streift.
Abendrot
Und wiederum ins Gästezimmer
die Abendsonne scheint
Es leuchtet rot der Abendhimmel
der Skyline und die Erde eint
Der Zauber will verblassen
und weicht der Silbernacht
darin sich Sterne sehen lassen
umrankend Mondes Pracht
Der Tag legt sich nun nieder
des Mondes Sichel blinkt
die lautlos immer wieder
den Tau der Bäume trinkt
Nun ist die Welt so stille
so offen und so weit
dass jedes der Gefühle
berührt die Ewigkeit
08215; 19i30 ljc
Gedicht
- Ach hör' mal Fritz - 08203
Vom Schnorren und Heilen
Es ist doch so: Die Besitzer
exzellenter Stahlkarossen sind mit Recht stolz auf ihren tollen Wagen
und beeindrucken so machen Mitbürger, der es nicht so weit gebracht hat.
Aber unter diesen Nicht-so-Erfolgreichen gibt es Neunmalkluge, die das
Anerkennungsbedürfnis der besonders Erfolgreichen auszunützen wissen.
Denn die Erfolgreichen haben auch das Bedürfnis, ihre Stahlkarossen
selbst zu lenken als Kapitän und mit ganzer Vollmacht. So ein
Neunmalkluger weiß das und packt den Erfolgreichen bei seinem Stolz und
seinem Geltungsbedürfnis und schmeichelt ihm, um ihn zu einer Reise in
die Ferne zu verleiten, wo er von ihm auch noch eingeladen werden soll
zu einem wunderschönen Event, z. B. einem großartigen Essen, das der
Erfolgreiche aus Dankbarkeit für seinen klugen Heiler bezahlen darf.
Bisweilen aber fällt solch ein Erfolgreicher auf einen derart
Neunmalklugen nicht herein und bedankt sich (ohne Honorar) für die
Heilkünste des Neunmalklugen. So mein Gedicht von heute!
Anregung für das Gedicht erhielt
ich heute Morgen 3. Februar 2008 11:07 Uhr in der Gaststätte Rochow auf
der Linderner Straße in 52525 Heinsberg, wo ich die Gespräche von Karten
spielenden Gästen belauschte, die sich über das Mitfahren und das
Mitgenommenwerden in anderer Leute Autos plus Einladung zum Essen auf
Kosten des Autofahrers unterhielten.
Vom Schnorren
Ach, hör’ mal Fritz
das ist kein Witz:
Du hast so’n schönen Wagen!
Ach nimm mich mit
darum ich bitt
zur Hauptstadt Kopenhagen
Ach, lieber Hein
muss das denn sein?
Ich will nicht dorthin reisen!
Ach, lieber Fritz
ich lad dich ein
zum allerschönsten Speisen!
Wir sind zu zweit
es nicht weit
nur tausend kleine Meilen.
Du bist mein Stern
du zahlst doch gern
wenn wir so ferne weilen.
Ach lieber Hein
ich lass es sein
ein Heiler bist du mir.
Geheilt hast du
mich dumme Kuh
vom Helfen für und für.
ljc = Elliot.C - sprich: Äll Jott Zeh = LJC = Leonhard
Johann Campen
nix vör onjoot
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Nr. 016 Eintragung am 7. Oktober 2003
Lange bevor ich von Bert Hellinger, dem
international bestaunten Pionier in Sachen Familienstellen, hörte, kam
mir ein Gedicht in den Sinn, von dem ich heute nicht weiss, ob ich
damals in einer Rolle stand und das Gedicht nur aufschrieb. Es entsprach
aber meinem inneren Empfinden, es hatte demnach mit mir zu tun. Geraume
Zeit wagte ich nicht, es jemandem zu zeigen, weil ich mir so unverschämt
überheblich darin vorkam, obwohl ich mich weder als Guru, Big Boss, oder
so etwas verstehe und ich auch keine Schüler, Jünger, Sanjassins oder
Anhänger ausbilde. Ich fühlte mich auch nie glücklich, wenn ein so
genannter Erzieher aus mir etwas machen wollte, mich zurechtdrechseln
wollte nach seiner Vorstellung.
Im Gedicht vermeide ich deshalb das Wort "Lehrling", das
ironischerweise heute durch das Wortungetüm "Auszubildender -
Auszubildende" ersetzt wird, weil man glaubt, damit dem jungen Menschen
die Qual zu ersparen, das aus ihm etwas gemacht werden soll. Was heisst
denn schon "ausbilden"? Es hat doch dieselbe Intention, dass ein Meister
aus einem Rohling etwas bildet, wie es ihm gefällt. Dabei fällt mir
allzu oft auf, dass der so genannte "Meister" seine so genannten
"Schüler", "Lehrlinge" oder "Auszubildende" dazu benutzt, dass sie seine
"SCHANDE" verkörpern sollen. Ich sage, "Ein Meister ist, der in jedem
Menschen, ob jung oder alt, den Meister sieht!"
Hellinger meldet kein Patent an auf seine phänomenologische
Arbeitsweise. Er selbst sagt, dass er nichts erfunden hat, sondern dass
er etwas "gefunden" hat. Er gibt auch keine Zertifikate aus für Leute,
die sehr oft in seiner Arbeit dabei waren und das Familienstellen
bereits selbst vollziehen. Das gefällt mir. Zeitlebens habe ich
Psychologie studiert, mich nicht um ein Examen bemüht, weil ich seit
meiner Studentenzeit das Unbehagen nicht loswurde, die "Schande des
Meisters" verkörpern zu müssen, wenn ich bei ihm das Examen bestehen
will. Da kommt mir Hellinger mit seiner Ansicht gerade recht. Wir sind
bestenfalls alle nur Wegbegleiter des anderen.
Um allen Verdächtigungen aus dem Wege zu gehen, ich wollte einen
"Lehrling" formen nach meinem Geschmack, verwendete ich im Gedicht das
Wort "LERNLING"
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Ich liebe die Weiten
im ewigen Licht
die zeitlosen Zeiten
im Weltengesicht
die ewige Dauer
in jeder Sekunde
die Gleichzeitigkeit
einer jeglichen Stunde
die endlosen Räume
im kleinsten Gefilde
die Töne der Liebe
in jedem Gebilde
Ich löse vom Raum mich
und auch von der Zeit
so wird jeder Traum mir
zur Erzwirklichkeit
Ich bin, der ich bin
und wer ich will sein
ich lebe den Sinn
im verborgendsten Sein
ich bin die Erlösung
drum bin ich das Leid
und bin ich alleine
so bin ich zu zweit |
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Ich selbst bin mein Meister
zerbreche die Norm
ich zeuge die Geister
die sprengen die Form
Mein Lernling ist weise
er selbst ist das Licht
er selbst ist sein Meister
der DU zu mir spricht
Auch ich bin sein Lernling
und tauche mit ein
in neue Gefilde
in glückliches SEIN
Wir lieben die Weiten
im ewigen Licht
die zeitlosen Zeiten
im Weltengesicht
die ewige Dauer
in jeder Sekunde
die Gleichzeitigkeit
einer jeglichen Stunde
die endlosen Räume
im kleinsten Gefilde
die Töne der Liebe
in jedem Gebilde
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GDT.897.
Heinsberg, den 8. August 1991;7.39
Uhr Leonhard Johann Campen
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Nr. 015 Eintragung am 11. September 2003
Ein Blick auf die im Herbstwind umhersausenden Blätter auf der Terrasse
veranlasste mich die folgenden Zeilen zu schreiben. Ganz bewusst
verzichtete ich auf den Reim. Nur der Rhythmus war mir wichtig, ein
Dreivierteltakt!
S E P T E M B E R
Nun tanzen sie wieder, die goldenen
Blätter
die roten, die braunen, die gelben, die grünen
die großen, die kleinen, gefleckten, gestreiften
erstarrt zu skurrilen Gebilden bei Nacht
von Bäumen und Sträuchern und Stauden des Gartens
im Winde getrieben im wirbelndem Kreise
auf Fliesen, den braunen, so glänzenden glatten
der unlängst von Möbeln geleerten Terrasse
heran vor mein Fenster, das riesenhaft große
aus doppeltem Glase bis hin zu den Füßen
Doch jäh fällt auf all diese tanzende Zier
das wachsame Auge der sorgenden Frau
mit pickenden Fingern zerpressend die Blätter
sie sammelnd in quellender, faustiger Hand
befördernd sie dann in den stinkenden Eimer
der gähnend die Zeichen des Herbstes verschlingt
Sie sollen nicht trauern und werden es nicht
denn all diese goldenen Blätter, die bunten
die roten, die braunen, die gelben, die grünen
die großen, die kleinen, gefleckten, gestreiften
die tanzenden Schelme am Ende des Sommers
sie hab ich gefangen mit erntendem Blick
So künden sie weiter den duftigen Hauch
vom scheidenden Sommer und herbstlichem Glück
Heinsberg, Rembrandtstr. 25, im
September 1988 LJC
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Nr. 014
Eintragung am 24. August 2003
Wer wartet
gerne? Warten will gekonnt sein. Schlimm ist das Warten, wenn man nicht
einmal weiss, wann es ein Ende nehmen wird. So ging es mir auf einem
Bahnsteig der Deutschen Bahn. Da nutzte ich die Zeit, um die Situation
in Verse zu stopfen.
W A R T E N
- W A R T E N
Viele Leute
stehen heute
stumm und kummervoll
an den Gleisen,
die beweisen,
dass man hier brav warten soll.
An der Decke
eine Zecke
quietscht vergnügt den Plan,
den bemüht
und tief betrübt
keiner hier verstehen kann.
Ihr Geschwafel
auf der Tafel
leider nicht zu sehen ist.
Wer kann sagen,
wo mein Wagen
heute wohl zu finden ist?
Diesen Morgen
voller Sorgen
schmiss ein Mann sich vor den Zug.
Nur besoffen,
darf ich hoffen,
von der Welt hat er genug.
Ich muss warten,
kann nicht starten,
langsam nur verstreicht die Zeit!
In die Ferne
möcht ich gerne!
Ach, mein Ziel ist noch so weit!
Schweinerei!!!
auf der Stunden drei
die Verspätung sich addiert.
s'kommt der Zug,
spät genug!
Aber nichts passiert!
Endlich dann
fährt er an,
stoppt auf freier Strecke.
Falsches Licht,
Einfahrt nicht
für die alte Schnecke.
Ach, ich will nicht länger klagen.
Was besorgen für den Magen!
Ein Menü im Speisewagen
kann ich dringend jetzt vertragen.
Auf der Fahrt von Freiburg
nach Bern am 28. Oktober 2002,
an dem Tag nach dem großen Sturm.
Leonhard J. Campen
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Nr. 013 Eintragung am
19. August 2003
Warum mir gerade heute dieses folgende Gedicht vom
Angler immer wieder in den Sinn kommt, weiss ich nicht. Ich schaute ihm
zu und verstand sein Handeln nicht. Er sagte, er sei ja nur Sportangler,
er fange die Fische nur zum Spass, er brauche sie nicht zum Essen. Darum
warf er sie wieder ins Wasser.
Mir graut vor diesem Angler. Als Kind schon lernte ich Tiere zu töten
für den Verzehr in unserer grossen Familie. Ich kann das auch heute
noch, zum Beispiel ein Hähnchen schlachten, rupfen, ausnehmen und für
den Kochtopf oder Grill aufbereiten. Aber das Tier hat meine Achtung und
ich behandele es ohne Zorn und ohne Freude am Schlachten. Aber mit Dank!
Wieso aber ein Sportangler, so nennt er sich, den Fisch einen
Widerhaken schlucken lässt, diesen unter offensichtlichen Schmerzen
seines Opfers wieder aus dessen Rachen herauszerrt und das zappelnde
Elend wegwirft, das hat mich doch sehr befremdet. Ich schrieb es ins
Gedicht:
B E I M S P O R T A N G L E R
Den Fisch, den du gefangen,
den gibst du wieder frei,
der elend, matt gehangen
an deiner Angelei.
Nachdem er
wie gestorben
verzagt sich dir ergab,
hast du genug erworben
und wirfst ihn stolz hinab.
Auf daß
erneut er greife
nach deinem Angelwurm.
In dir die Einsicht reife
daß du ein armer Wurm.
Colva -
Beach, den 29. Dezember 1991; 18:00 Uhr
Leonhard
Johann Campen Datei: 91ZANGEL.GDT
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Nr.012 Eintragung am 14. August 2003
Nicht nur in
den USA, sondern auch bei uns in deutschen Landen steht das Thema > Tod
< unter Tabu. Einmal fiel ich bei einer älteren Dame mit diesem
schlimmen Wort in Ungnade, ich solle schweigen. Aus! Da verliess ich
die Kaffeerunde, ging in mein Kämmerlein, während ich innerlich eine
Melodie hörte von einem Lied, bei dem es am Ende ins Jenseits geht.
Mancher wird es kennen und mancher hat schon selbst Strophen
hinzugedichtet: "Horch, was kommt von draussen rein, hollahi, hollaho
..." Ich ging also in mein Kämmerlein und dichtete sieben Vierzeiler und
gab dem Gedicht die Überschrift
D A S L I E
D V O M M A U L K O R B
Ich
will singen, was ich gern
sagen möcht auf diesem Stern:
Was an dir mich sehr beglückt,
aber auch was mich bedrückt:
Mich beglückt, daß du mich liebst
und mich nicht wie Erbsen siebst.
Mich bedrückt die Todesangst,
wie du um dein Leben bangst.
Zieh mir keinen Maulkorb an,
weil ich den nicht leiden kann,
möchte singen frei und frank,
Schweigen macht mich alt und krank.
Leute haben's oft gesagt,
daß ich einen Maulkorb hab.
Laß sie reden heimlich viel,
kann ja schreiben, was ich will.
Wenn ich mal nicht sagen darf,
was mir ist so sehr Bedarf,
geh ich in mein Kämmerlein,
schreib es im Gedichtelein.
Wenn ich dann gestorben bin,
setzt man mir ein Denkmal hin,
hängt mir dran 'nen Maulkorb fein,
vollgestopft mit Verselein.
Falls ich dann im Himmel bin,
lauf ich auch zur Hölle hin,
denn es ist im Himmel Brauch,
daß man liebt die Hölle auch.
Heinsberg, den 11. Oktober 1989
L E O N H A R D J. C A M P E N
Datei:
89OMAULK.GDT
Hast
du der älteren Dame das Gedicht vorgelesen oder zukommen lassen? wollte
jemand wissen. Nein! Ist das Achtung, Respekt oder Feigheit, dass ich
nicht einmal auf die Idee gekommen war, ihr das Gedicht zu schicken?
Vielleicht hat sie heute Internetanschluss und ist zufällig auf mein
Gedicht gestossen. Vielleicht kennst du diese Frau, die auf den Namen
Kathi hört und kannst ihr diese Zeilen ausdrucken. Vielleicht aber ist
Kathi längst im Jenseits und muss darüber lachen, dass sie einst Angst
vor dem Tod hatte.
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Nr.011
Eintragung am 11. August 2003
Ich
möchte im folgenden Gedicht von einer Berührung erzählen, von einer
Berührung mit dem Anblick eines Engels, von einem Anblick, der mich bis
ins Innerste traf.
Wenn in der Schule früher nach den Sommerferien der erste Aufsatz
geschrieben werden mußte, dann stand zu befürchten, dass das Thema
lauten werde:
> Mein
schönstes Ferienerlebnis <
Das war
mehr oder weniger eine Qual für mich, nicht weil ich es vergessen hätte,
sondern weil ich nicht wußte, ob ich es erzählen durfte, so ein Erlebnis
mit viel Gefühl und - oh Schreck! - was hätte alles passieren können,
wenn mein Aufsatz vor der Klasse vorgelesen worden wäre und darin das
Wort > Liebe < vorgekommen wäre. Das hätte ich nie gewagt. Das Erlebnis,
von dem ich im Gedicht erzählen möchte, ereignete sich im Stau auf einer
Autobahn.
Mein
schönstes Ferienerlebnis:
Im Stau auf der Autobahn!
Ein Engel am Fenster im Stau auf
der Bahn
lacht freundlich herüber, wir sehen uns an.
Er schaut mir ins Auge, er traut meinem Blick,
und gleichzeitig geben wir lächelnd zurück,
wie sehr unsre Herzen und alles Gemüt
entzückt und verwirret in Liebe erglüht.
Die Fahrt, die geht weiter, wir
werden getrennt,
mein Himmel bleibt heiter, weil Liebe drin brennt.
Ich fahr in der Schlange,
betrachte die Wagen,
die links neben mir wieder hurtiger fahren.
Da zieht er vorbei,...der Engel,
der Blitz,
durchbohrt mich erneut und ich sink in den Sitz,
muß wenden mich ab, denn es wird
mir zu viel,
er schwirrt auch schon ab und vorbei ist das Spiel.
Fortuna, das Glücksrad, es kennt
kein Erbarmen
und läßt seinen Engel erneut mich umarmen,
noch während ich strebe, mich frei
zu erholen,
da wird mir der Engel erst richtig empfohlen,
muß bremsen, muß halten, ich bleib
endlich stehn
und darf neben mir in sein Angesicht sehn.
Der Mut und das Trauen, sie
schlagen die Brücken,
daß wir uns versenkend ins Auge durchblicken.
Wir tauschen die Mimik, wir
tauschen das Glück,
wir tauschen und tauschen und geben zurück.
Und tränender Augen noch einmal
ich winke,
da winkt er zugleich und sein Winken ich trinke.
Und wenn ich heut lese dies
kleine Gedicht,
der Engel mir immer noch anwesend ist
Blandford, den 8.
August 1989 10:22 Uhr
L E O N H A R D J O H A N N C A M P E N
Datei.898ENGEL.GDT
Etliche neugierige
Fragen bekam ich später zu hören. Ob wir uns später getroffen haben? War
es denn eine Frau oder ein Mann in dem anderen Auto? Wie alt war der
Engel? Ich kann nur antworten. Mir war der Verstand stehen geblieben.
Aber ich sehe immer noch ein blasses Gesicht unter einem riesigen
blonden Haarschopf und spüre den stahlharten Liebesblick aus tiefblauen
Augen. Und wie alt war sie?, insistiert jemand zu wissen. Bedaure: Sie
war zeitlos, so schön!
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Nr. 010 Eintragung am 10. August 2003
Und was
steckt hinter diesen Versen >Japanische Kirschen< ? Es ist immer
spassig zu hören, wie unterschiedlich die
einzelnen Leser so ein Gedicht betrachten. Manchmal fühle ich mich
durchschaut, manchmal missverstanden und manchmal habe ich auch den
Eindruck, dass die Antwort des Lesers eine Projektion ist, er will nur
von sich ablenken. Wie steht doch irgendwo in der Bibel?: "Den Splitter
im Auge deines Bruders, den siehst du. Den Balken in deinem eigenen Auge
erkennst du nicht." Ich halte in diesem Gedicht Zwiesprache mit einem
Baum, der wunderschön blüht, aber keine Früchte trägt.
J A P A N I S C H E K I R S C H E N
Im Garten
blüht jährlich ein riesiger Baum,
sein Anblick erfreut mich am Tag wie im Traum,
auf Früchte doch warte ich jahrelang schon,
geprellt ich mich fühle mit beißendem Hohn.
Zersprengt
hat der Baum mir schon Pfad und die Mauer,
der Nachbar beklagt sich und liegt auf der Lauer,
warum ich laß wachsen noch immer den Riesen.
den alten Schmarotzer, den fruchtlosen, miesen.
So viel ich
auch hege und pflege den Baum,
die Früchte nur lassen sich sehen im Traum.
Von leuchtenden Kirschen im grünen Gezweig
zu träumen, nun bin ich nicht länger bereit:
>>Hör zu,
böser Kirschbaum, heut halt ich Gericht
und sage dir Teufelsgezweig ins Gesicht,
weil niemals verheißene Kirschen ich fand,
drum säge ich ab dich mit eigener Hand.
Noch geb ich
zur Antwort Gelegenheit dir,
warum niemals Früchte gegeben hast mir.
Das SUCHEN, das bin ich nun endgültig leid.
Ich denke: Heut werden wir beide gescheit.<<
Von Angst
und Bedauern zeigt er keine Spur,
mit Stolz schaut er nieder auf Feld und auf Flur.
Die Antwort des Baumes ist hämisches Lachen,
als wollte er über mich lustig sich machen:
>>Horcht
auf, alle Welten! Hier wird einer weise,
beginnt mit dem glücklichen Teil seiner Reise.
Nach all seinen Tagen mit fruchtlosem SUCHEN
wird er nun in Zukunft das FINDEN nur buchen.
Drum sag ich
dir gerne, was finden du sollst:
Nebst Blättern und Blüten dir geb ich mein Holz
für deinen Kamin in dem wohnlichen Zimmer,
wo gerne du weilest bei Holzglutgeschimmer.
Nun hol
deine Säge, die handliche, nette,
elektrisch getriebne mit fressender Kette!
Trenn ab meinen Stamm von der Wurzel im Boden,
damit sich der Garten von mir kann erholen.
Und wenn
meine Scheite im Flammenmeer lodern;
dann werden die Wurzeln im Boden schon modern
als Nahrung für Pilze, Insekten, Mikroben,
sie werden die Mahlzeit genießerisch loben
Sag fragenden
Nachbarn und forschenden Leuten,
die jährlich am Blumenmeer meiner sich freuten,
daß ich nun mein Spiel hier zu Ende gebracht
und ruhe derweil in erquickender Nacht.<<
Heinsberg, den 17.
Juli 1990 14:14 Uhr
L E O N H A R D J O H A N N C A M P E N
Einer meinte mich loben zu
müssen, weil ich an die hungrigen Insekten und Mikroben im Boden gedacht
hatte. In Wahrheit zielt das Gedicht auf meine Blindheit im Erwarten.
Und der Tod des Baumes ist Geburt und Entfaltung eines Neubeginns.
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Nr. 009
Eintragung am 8. August 2003
Ach, du liebe Zeit! Schon ist ein Monat vergangen, ohne dass ich dazu
gekommen bin, wieder einmal ein Gedicht ins Internet zu setzen. Aber was
ist das schon "Zeit"? Sie hat viele Gesichter und verschiedene
Wirklichkeiten. Diese nenne ich mal "Äste" der Zeit. Ein "Ast" ihrer
ganzen Wirklichkeit ist die "Physische Zeit", die wir mit Uhren messen,
wonach der Terminkalender organisiert wird usw. Wer aber glaubt, die
Zeit habe nur dieses Gesicht, der irrt. Denn
Z E I T
Die Zeit geht
niemals fort,
sie steht und knüpft den Ort,
an dem du jetzt zu weilen glaubst,
an gestern oder anderswo.
Und scheint dir das verrückt,
dann ist das so!
Wer glaubt, was gestern war,
das sei vorbei, hat recht
und irrt doch wunderbar,
getreulich und nicht schlecht
als Physiker umher in dieser Zeit,
die stets ein einziger Ast nur war
von ihrer ganzen Wirklichkeit.
Datei: 897ZEIT.GDT
Heinsberg, den 11. Juli 1989
22:44 Uhr Leonhard Johann Campen
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Nr. 008 Eintragung am 5.
Juli 2003
Ich weiss
noch, wie ich mich köstlich amüsierte, während ich das folgende Gedicht
IMMER ZWEI hinschmierte. Ja, hinschmierte in wenigen Minuten. Im Geiste
sah ich meinen Deutschlehrer erblassen: "So weit kann es mit diesem
Hinterwäldler doch wohl noch nicht gekommen sein!" Als Hinterwäldler
galt ich, weil ich kurz an der niederländischen Grenze wohnte und man
mit jedem Kilometer, den man weiter nach Osten lebte, sich als mehr
zivilisiert und besser vorkam. Das waren neun Kilometer von meinem
Wohnhaus auf der Renneperstrasse bis zum Gymnasium in Viersen. Deshalb
musste ich mir anhören: "Näch, Campen, Sie kommen da aus dem Hinterland.
Sie können das nicht!" Bis zur Entstehung dieses Gedichtes vergingen
allerdings noch 35 Jahre. Erst jetzt wagte ich es, die ewigen Gesetze,
Verbote und Gebote eines gewissenhaften Deutschlehrers alten Stiles zu
übertreten.
Du solltest vielleicht auch mal um dich schlagen mit Gedichten, so als
psychische Befreiung. Eine solche war es für mich. Aber oh weh! Ich
stelle mir gerade vor, ein Psychologe wie Drewermann nimmt mich
auseinander anhand meiner Gedichte, wie er es mit Antoine de Saint
Exupery gemacht hat, anhand dessen kleiner Prosaschrift:
Der kleine Prinz.
Meinetwegen soll einer kommen und mich auseinander nehmen.
Oder fängst du gleich damit an?
I M M E R Z W E I
Zwei Grade,
zwei Krumme,
zwei Kluge, zwei Dumme,
zwei Dufter, zwei Stinker,
zwei Trockne, zwei Trinker.
Zwei Schöne,
zwei Fiese,
zwei Bunte, zwei Miese,
zwei Linke, zwei Rechte
zwei Gute, zwei Schlechte.
Zwei
Heuchler, zwei Diebe,
zwei Böse, zwei Liebe,
zwei Hemden, zwei Hosen,
zwei Deckel, zwei Dosen.
Zwei Herzen, zwei Nieren,
zwei Dreien, zwei Vieren,
zwei Toren, zwei Weise,
zwei Kalte, zwei Heiße.
Zwei Mäuse,
zwei Ratten,
zwei Lichter, zwei Schatten,
zwei Diese, zwei Solche,
zwei Schlangen, zwei Molche.
Zwei Hexen,
zwei Engel,
zwei Sechsen, zwei Bengel,
zwei Lesben, zwei Ziegen,
zwei Schwule, zwei Rüden.
Zwei Einsen,
zwei Nullen,
zwei Gläser, zwei Pullen,
zwei Koteletts, zwei Fritten,
zwei Busen, zwei Titten.
Zwei Ochsen,
zwei Bullen,
zwei Eier, zwei Stullen,
zwei Zwiebeln, zwei Zweizweierlei,
zwei Zweizwei .. zwei Zweizwei,
zwei
Zweizweizweizwei!
Sag mal
ehrlich. Warum I M M E R Z W E I ?
Heinsberg, den 25. Oktober
1990
0:42 Uhr Leonhard Johann Campen
Datei: 90OZWEI.GDT
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Nr. 007
Eintragung 25. Juni 2003
Es schläft ein Lied in allen
Dingen, die da träumen vor sich hin.
Das ist frei nach Joseph von Eichendorff, der es so schrieb:
"Schläft ein Lied in allen
Dingen,
die da träumen fort und fort.
Und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort"
Dieser Vierzeiler faszinierte mich schon seit vielen Jahren, und
dennoch war ich nicht zufrieden mit ihm, eine innere Stimme sagte mir:
Schreibe deine eigene Gedanken dazu, so wie du es sagen möchtest, so als
Fortsetzung. Daraus keimten dann die drei weiteren Strophen auf.
Schließlich vertonte ich den Text und es entstand ein vierstimmiger Satz
für gemischten Chor daraus.
Z
A U B E R W O R T
Tönt ein Lied aus allen Dingen,
die da wesen hier und dort.
Meine Welt hebt an zu singen,
wo ich sag mein Zauberwort.
Tief in deinem
Wesen drinnen
trägst auch du dein Zauberwort.
Darf es seinem Bann entrinnen,
klingen Lieder fort und fort.
Ja, ich fühl
es zaubern, klingen,
jubilieren immerfort.
Deine Welt hebt an zu singen,
wo du sagst dein Zauberwort.
Datei:
894ZAUBR
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Nr. 006 Eintragung 20. Juni 2003
Was geht in einem Menschen vor, der sich von einem leeren Schneckenhaus
auf dem Kaminsims angesprochen fühlt und daraus ein Gedicht macht? An
dieser Stelle will ich darüber weiter nichts verraten, als dass ich am
Tag der Niederschrift ziemlich unglücklich war. Aber nicht darüber, weil
ich genau zwanzigtausend Tage alt wurde, sondern ..... kannst du was
erraten?
S C H N E C K E N H A U S
Dieses leere Schneckenhaus
sieht noch ziemlich prächtig aus
mit den Zacken
an den Stacheln
und den Macken
an den Kacheln.
Doch die Schnecke ist verschwunden,
leer das Haus ist längst befunden.
Alle Rufe blieben Traum,
nur noch Echo hier und dort
hallt aus fernem, fernem Raum
ferner, leiser, fern und fort.
Kalter Wind durch leere Zimmer
fegt "Vergessen!" vor mir her:
Die Frau Schnecke siehst du nimmer,
nirgends, nie und nimmermehr!
Hallo Schnecke, bist du tot?
Oder gehst du nackt hinaus
eh das erste Morgenrot
küßt dein einsam Schneckenhaus?
So!?...Du bist in andren Zeiten
neuer Welten eingeboren?
Drum bist du so weit, so weit!
Deine Spur hab ich verloren.
Hast mir nur dein Haus gelassen
mit den Zacken
an den Stacheln
und den Macken
an den Kacheln.
Werd es niemals brauchen hassen.
Fort ist sie und doch so nah,
die ich niemals lebend sah,
weil sie nur ihr Haus mir zeigte,
sich vor Zeiten von mir zweigte.
Heinsberg, den 11. November 1989
15:10 Uhr Leonhard Johann Campen
Heute bin ich genau zwanzigtausend Tage alt.
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Ntr. 005
Eintragung 3. Mai 2003
1990 im Mai.
Zur Kur im Tannerhof in Bayrischzell! Ein Regenschauer zwingt mich,
unter Bäumen Schutz zu suchen. Soll ich unzufrieden sein mit dem Wetter,
mit den Leuten, mit den Kühen auf der Wiese. Soll der Neid mich packen,
weil andere mit dem Auto fahren und nicht nass regnen? Nein, ich spreche
ein Gedicht auf mein Diktiergerät:
Z U F R I E D E N - S E
I N
Wenn ich unzufrieden bin,
schiel ich nicht zum Nachbar hin,
sondern lass das Denken sein
und dann "fällt mir alles ein".
Gebe ich das Denken auf,
nimmt die Seele ihren Lauf,
zeigt den Weg auf meiner Reise
mir in müheloser Weise.
Der Kuckuck ruft, der Regen fällt
durch Kirschbaum und Holunder.
Ich geh den Weg durch meine Welt
vergnügt, beglückt und munter.
Bayrischzell, den 8. Mai 1990
11:10 Uhr Leonhard Johann Campen
Datei: 905KUKUK.GDT
Apropos "Kur": Kennst du die Definition
des "Kurschattens"? -
Kurschatten ist das, was der Kurarzt nicht verordnen kann,
wovon aber der Erfolg der Kur abhängt.
Meine Kur war erfolgreich.
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Nr. 004
Eintragung 28. April 2003
Dieses Mal war es Frust, der mich
zum Dichten veranlasste. Eine Diebesbande sammelte nicht angekettete
Fahrräder im Vorbeifahren mit einem Kleinbus. Der Wagen fuhr dicht an
das Fahrrad heran und ein zweiter Mann ergriff die Beute durch die
Seitentür. Kurz hernach hörte ich von einem Fixer, der sich den goldenen
Schuss versetzt hatte. Ganz aufgeklärt wurde die Sache aber nie. Da
schrieb ich voller Ärger und Wut :
D E R F A H R R A D D I E B
Es war einmal ein Fahrraddieb,
der hatte auch mein Fahrrad lieb.
Das wollte er verkaufen.
Er brauchte Stoff für einen Schuß.
Sein Leben war ihm nur Verdruß
vom Fixen und vom Saufen.
Jetzt ist er tot, der arme Schuft.
Verscharrt liegt er in tiefer Gruft.
Da braucht er keinen Stoff.
Auch braucht er keine frische Luft,
und niemand heute nach ihm ruft,
der gern sonst mit ihm soff.
Der Hehler läuft noch frei umher,
sein Atem aber geht schon schwer
und bald wird er ersticken.
Ich wünsch ihm einen sanften Tod,
daß er ist ledig aller Not,
entkommen allen Stricken.
Mein Fahrrad aber ist verflucht,
und wer darauf zu reiten sucht,
muß sterben elendig.
Er fängt mit ihm die Seuche ein,
die niemand wünscht dem ärmsten Schwein
im Hiersein oder ewiglich.
Ich spare für ein neues Rad
und geh derweil zu Fuß zur Stadt.
Die Ziele sind so weit!
Mein Fluch zieht Kraft mit jedem Schritt
und für die Diebe ich nicht bitt
um Gnad und Seligkeit.
Heinsberg, den 12. November 1989
20:00 Uhr Leonhard Johann Campen
Datei: 89VDIEB.GDT
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Nr. 003
Eintragung vom 21. März 2003
Pfarrer wollte ich nie werden, mir gruselte bei der Vorstellung, ich
hätte mit den Vorkommnissen am Altar oder auf der Kanzel zu tun. Was ich
in diesem Gedicht vom Seligmachen im Jahre 1989 zum Ausdruck brachte,
war weder Spiel noch Unfug, es war bitterer Ernst gewesen, wie ich als
Kind die Kirchenbesuche erlebte.
V O M S E L I G M A C H E N
Als ich klein
war, spürte ich
Schmerzen zum Erbarmen,
wenn die Mutter Kirche mich
gierig wollt umarmen.
Von der Kanzel
tobte laut
so ein Mann in seltner Kluft.
Habe ihm kein Wort getraut.
Sehnte mich nach frischer Luft.
Ja, viel
schlimmer schien es mir,
dass er selber war betrogen,
dass er schimpfen musste hier,
was ein anderer erlogen.
Nein! In
diesen Kirchenräumen
galten böse Sitten:
Wer nur fehlte einen Schritt,
der war nicht gelitten.
Alle schielten
arg mir nach,
sprachen mir das vor,
was ihr eitel Hirn gebar:
Der wird doch Pastor!
Ui, Ui, Ui
igittegitt,
dachte ich bei mir,
so was mach ich niemals mit!
Schließe meine Tür.
Heut nach mehr
als fünfzig Jahren
kann ich herzlich drüber lachen,
was das irre Lehrer waren,
die mich selig wollten machen.
Heinsberg, den
6. Oktober 1989
20:20 Uhr Leonhard Johann Campen
Datei: 89OSELIG
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Nr. 002
Eintragung vom 13. Februar 2003
>... es darf auch Spiel und Unfug sein ....< Ob ich das folgende
Gedicht aus dem Jahre 1990 als Unfug oder Spiel einordnen soll, weiss
ich nicht.
T
U G E N D
Ich lernte in der Jugend,
Verklemmtsein, das sei Tugend,
und Freisein, das sei Sünde,
die nur dem Satan stünde.
Ein hohes Ziel sei das Tabu.
Dies Wort verschweigen noch dazu!
Sich unterwerfen, dienen, ducken,
anstatt zu denken, aufzumucken,
das sei Edelste vom Besten.
So lehrten ernst die schwarzen Westen.
Doch wisst ihr was, was die mir
können,
die, die mir mein Selbst nicht gönnen?
Die können mir gestohlen sein,
wenn denen fällt nichts Bessres ein!
Leonhard J. Campen, Heinsberg, den
18. Oktober 1990
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Nr. 001 Meine
erste Eintragung in die Homepage
6. November 2002
> ...es darf auch Spiel und Unfug sein...<
Dieses Gedicht entstand aus der Not,
dass ich schnellstens einen Vers schreiben sollte:
D E R D I C H
T E R
1. Ein Vers liegt in der Luft.
Drauf reimt sich jeder "Duft".
Und was sich nicht drauf reinem will,
verschweig’ ich einfach, heimlich, still.
2. Die zweite Strophe fängt schon
an.
Ich zapple wie ein Hampelmann,
den ihr zum Dichten habt gezwungen.
Die zweite Strophe ist gelungen!
3. Am Ende wird gelogen,
dass jeder ist betrogen.
Die Zeilen müssen voll
Ich weiß nicht, was das soll!
Leonhard J. Campen Heinsberg, den
28.2.1991
4. ES DARF AUCH SPIEL UND UNFUG
SEIN
und Scherz im Überfluss,
sonst wär die Welt mir viel zu klein
und Dichten kein Genuss.
Leonhard
Johann Campen, Heinsberg, den 7. März
1991
5. Die vierte Strophe ist geklaut
beim Dichter Hermann Hesse,
jedoch verbogen und verbraut,
damit sie hierhin pässe.
Leonhard
Johann Campen, 24. Mai 2000
info@aagum.de
E N D E
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